Was alles in einer Tonerkartusche steckt

Seit einiger Zeit benutze ich einen Farblaserdrucker von Lexmark. Nun ist es ja so, dass insbesondere im unteren und mittleren Preissegment die Druckerhersteller ihre Umsätze in erster Linie mit Verbrauchsmaterial machen (vor allem im Bereich der Tintenstrahler, die inzwischen schon für zweistellige Summen über den Ladentisch gehen und einzelne Patronen zum Teil teurer sind als der ganze Drucker). Es ist also durchaus ein Umsatzproblem für die Hersteller, wenn sich ein Kunde einen Drucker zum billigen Preis zulegt und dann aber das Verbrauchsmaterial lieber von wesentlich günstigeren Alternativherstellern bezieht statt die teuren Originalprodukte vom Hersteller.

Lexmark hat sich nun etwas Interessantes ausgedacht: Man kann seinen Drucker bei einem Reward-Programm anmelden, dann sendet man seine leeren Tonerkartuschen zurück, und diese werden auf einem Konto gesammelt. Pro einer gewissen Anzahl von Rücksendungen gibt’s dann eine kostenlos eine neue Tonerkartusche sowie Imaging Kits bei Bedarf. Natürlich werden ausschließlich Rücksendungen von Originalkartuschen berücksichtigt. Man mag nun natürlich einwenden, dass Lexmark die Kosten für dieses Programm natürlich irgendwie in den Drucker-/Tonerpreis eingerechnet haben wird, aber der Schachzug ist geschickt: Sie schaffen es nämlich, ein Gefühl beim Käufer dafür zu wecken, dass Loyalität gegenüber dem Hersteller sich lohnt. (Ob das tatsächlich der Fall ist, sei mal dahingestellt; allein über die Qualitätsunterschiede zwischen Hersteller- und Fremdtoner ließen sich hässliche Diskussionen vom Zaun brechen.)

Da man fürs Recycling einfach nur seine leere Tonerkartusche zurücksenden muss und nichts weiter, stellte sich mir die Frage: Wie machen die das? Irgendwie muss die Kartusche ja mir bzw. meinem Drucker zugeordnet werden, damit das mit dem Rewards-Programm funktioniert. Am wahrscheinlichsten dürfte daher sein, dass sich der Drucker selbst bei Nutzung der Kartusche irgendwie mit seiner Seriennummer „verewigt“. Also habe ich mich auf die Suche nach weiteren Informationen gemacht, was so eine Tonerkartusche sonst noch weiß.

Um es kurz zu machen: Die Datenschutzbestimmungen des Reward-Programms schweigen sich interessanterweise schon mal darüber aus – diese beziehen sich nur auf die persönlichen Daten, nicht auf die Daten der Tonerkartusche. Die Nutzungsbedingungen formulieren schon etwas konkreter:

Durch Ihre Teilnahme an dem Programm stimmen Sie darüber hinaus der Sammlung und Nutzung der durch die Rückgabe der leeren Druckkassetten erworbenen Daten (z. B. Seriennummer von C540/X540, Anzahl der gedruckten Seiten) zu.

Das einschränkende „z. B.“ lässt schon vermuten, dass das nicht alles ist. Die FAQ verrät dann schließlich mehr dazu, aber nicht in einer handlichen Übersicht, sondern nur hier und da häppchenweise, und auch wiederum nur als exemplarische Beispiele. Aber auch die haben es schon in sich. Zusammengestellt geht es – mindestens! – um folgende Dinge, die auf der Tonerkartusche gespeichert werden und die von Lexmark nach der Rücksendung ausgelesen und ausgewertet werden und die blumig mit dem Satz „Jede Gerätenutzung wird individuell aufgezeichnet“ zusammengefasst werden:

  • Seriennummer des Druckers
  • Anzahl der gedruckten Seiten
  • Tonerabdeckung pro Seite in Prozent
  • Abnutzung des Imaging Kits

… und als besonderes Schmankerl:

[…] gibt jede zurückgeschickte Tonerkassette Auskunft […] und überprüft, ob Sie seit der Erst-Installation Ihres Druckers ausschließlich Original Tonerkassetten von Lexmark verwendet haben.

Das ist wie gesagt das Minimum dessen, was Lexmark in den Tonerkartuschen erfasst. Damit kann man natürlich durchaus einverstanden sein – man bekommt ja immerhin auch etwas dafür. Aber zumindest für diejenigen, die nicht genauer nachgelesen haben, wollte ich zumindest mal erwähnt haben, dass man Lexmark weit mehr zurückschickt als nur einen hohlen Kunststoffblock.

Zum Schluss noch ein Blick in die Geräte-Patentlizenz:

Der patentierte Drucker ist lizenziert für und funktioniert nur mit echten Lexmark Druckkassetten und Entwicklerkomponenten während der Lebensdauer des patentierten Druckers. Sie verpflichten sich: (1) nur Lexmark Druckkassetten und Entwicklerkomponenten mit diesem Drucker zu verwenden […]

Wer also nicht gerade dazu bereit ist, auf seine Garantie zu pfeifen, wenn mal was am Drucker kaputt ist, der sollte sich hüten: Zurückgesendete Tonerkartuschen verraten Lexmark gnadenlos, wenn man mal – und sei es auch nur einmal zwischendurch – eine Kartusche aus dem Nachfüllshop an der Ecke benutzt hat. Selbst wenn das schon längere Zeit zurückliegen sollte. Wie sich das auf die Erfüllung der Garantie auswirkt, wird man sich denken können.

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