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Falsche Freunde: Wie man SEO nicht macht

Donnerstag, 31. März 2011

Anfang der Woche erhielten wir eine knappe Mail eines Herrn Etzler von WebOptimizer24 (jaja, nofollow gesetzt, keine Sorge), der uns zu unserer vor kurzer Zeit gestarteten Hosting-Plattform Uberspace.de mit einem herzlichen „Respekt!“ bedachte und – vermutlich rhethorisch – fragte, warum er bisher noch nichts von uns gehört habe. In Feierabendlaune nannte ich eine Reihe von Gründen, darunter ein offensichtliches „uns gibt es erst seit Anfang des Jahres“, aber auch ein etwas augenzwinkerndes „Wir lassen die Finger von SEO“. Hätte ich doch nur geahnt, dass Herr Etzler dies offenbar als Aufforderung angesehen hat …

Ganz kurz für diejenigen, die mit dem Begriff „SEO“ nichts anfangen können: Er steht für „Search Engine Optimization“, also kurz gesagt für alle Techniken, die dafür sorgen, in Suchmaschinen weiter oben zu stehen. Suchmaschinen arbeiten schließlich mit komplexen Algorithmen, die versuchen, durch Inhaltsanalyse, vor allem aber auch durch Querverlinkungen herauszufinden, welche Inhalte eine gute Bewertung wert sind und welche nicht. Es liegt nahe, dass einige Unternehmen das sportlich sehen und wahlweise versuchen, diese Algorithmen auszureizen – oder auch auszutricksen. Insofern gibt es fließende Grenzen zwischen, nennen wir es mal, „gutem SEO“ und „bösem SEO„. Einer unserer Kunden, der – durchaus sehr erfolgreich – in diesem Bereich arbeitet, bringt „gutes SEO“ auf den erfrischend einfachen Punkt:

Das beste und meiner Meinung nach einzige SEO ist und bleibt: Schaffe guten Content oder wertige Inhalte, der Rest kommt von alleine.

Bis hierhin habe ich nichts einzuwenden: Wer das Netz mit interessanten Inhalten bereichert, hat es durchaus verdient, höher gerankt zu werden – wobei das eben weniger eine Geheimwissenschaft ist als vielmehr sehr viel Arbeit. Arbeit, die wir jedoch gerne auf uns nehmen.

Überrascht war ich nun, als ich zufällig auf ein Review über Uberspace.de bei Qype stieß, das ich leider nicht mehr verlinken kann, weil es nach dieser ganzen Aktion gelöscht worden ist – aber einen Screenshot habe ich noch rechtzeitig angefertigt. Ein Qype-User mit dem wohlklingend-generischen Namen „giuliaalpha“ lobte Uberspace.de in den Himmel und beschrieb unter anderem:

In meinem Fall ist es so, dass drei sog. Langzeitarbeitslose aus unserem Unterstützungsverein eine Geschäftsidee für das Internet hatten. Zu scheitern drohte die wirklich gute Idee an den Kosten für das Webhosting und die Programmierung der Webseite.
Dank uberspace konnte das Projekt trotz der sehr bescheidenen finanziellen Mittel online gehen. Inzwischen werden schon gute Umsätze erzielt und – so funktioniert das Konzept – jeden Monat natürlich mehr als der Mindest-Euro überwiesen.

Man könnte meinen, das wäre aus unserer Konzeption abgeschrieben, so perfekt passt es zu unserem „Zahl, soviel du für angemessen hältst“-Konzept. Der Haken ist: Uberspace.de ist erst ab dem 01.04.2011 kostenpflichtig – zum Zeitpunkt dieses Blogposts wäre das … morgen. Es ist also völliger Blödsinn, wenn „giuliaalpha“ schreibt, es würde „jeden Monat natürlich mehr als der Mindest-Euro überwiesen“ – und auch sonst enthielt das Review noch einige andere Merkwürdigkeiten. Wer sich für die Details interessiert, kann das komplette Review wie gesagt im Screenshot noch einsehen.

Und noch etwas ist in dem Review interessant:

Die Webseite wurde Pro Bono von Herrn Etzler von der Firma WebOptimizer24.de in München erstellt. Bitte sehen Sie sich auch meine Bewertung dafür an.

Ach. Jener Herr Etzler, der dem Arbeitslosenprojekt in seiner Herzensgüte die Website kostenlos erstellt? Dem Projekt, das angeblich schon seit Monaten bei Uberspace.de läuft, während Herr Etzler erst vor wenigen Tagen von Uberspace.de erfahren hat? Sorry, aber wer hier an einen Zufall glaubt, der glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann. Vor allem, weil „giuliaalpha“ ein brandneuer Account ist, ohne öffentliches Profil, der genau zwei Reviews verfasst hat: Eins über uns, und eins über WebOptimizer24. D’Oh.

Wie man im Screenshot ebenfalls gut sehen kann, haben wir eine öffentliche Replik dazu geschrieben, mit dem Tenor: „Wir freuen uns natürlich über positive Reviews, aber echt sollten sie bitte schon sein – und dieses hier ist es eben nicht. Probiert uns doch bitte selbst aus und bildet euch ein eigenes Urteil.“ Wir haben uns vorher mit einigen Usern und auch im Team beraten und hielten das für die bessere Reaktion, als bei Qype dafür zu sorgen, das Fake-Review einfach verschwinden zu lassen.

Man möchte einwenden, dass es uns doch egal sein könnte, beziehungsweise dass wir uns doch einfach freuen könnten, wenn uns jemand mit einem positiven Review bedenkt – Stichwort „Weiß doch keiner, dass das nicht echt ist“. Stimmt aber nicht. Wir wissen es. Wir arbeiten hart dafür, uns echte Reputation zu verdienen: Wer für schnellen Support gelobt werden will, muss eben erstmal schnellen Support leisten; wer für seine saubere Serverkonfiguration Lob ernten will, muss eben seine Server sauber konfigurieren. Wir bezahlen niemanden für positive Äußerungen über Uberspace.de – und in diesem Punkt sind wir pingelig: Wenn Dritte falsch-positive Reviews über uns verfassen, wirft das ein schlechtes Licht auf uns, weil es den Eindruck erweckt (oder zumindest erwecken könnte), dass wir uns unsere Reputation nicht zu verdienen, sondern zu erkaufen versuchen. Davon distanzieren wir uns klar.

Nun, wenig überraschend war unsere öffentliche Replik kurz darauf verschwunden. Dafür erhielt ich von „giuliaalpha“ eine Direktnachricht via Qype, die ich nun eben leider nicht zitieren kann, ohne dabei die Vertraulichkeit zu brechen. Insofern müssen wir darauf vertrauen, dass uns der folgende Teil schlicht geglaubt wird – keine Sorge, es kommt gleich noch ein unterhaltsames Ende, das hier bei einer Einschätzung helfen könnte.

Natürlich war das alles ein großes Missverständnis, das „Giulia“ außerordentlich bedauert. Sie hat meine öffentliche Richtigstellung auch gleich zum Anlass genommen, ihr Review durch eine entsprechende Ergänzung zu korrigieren, von der ich ebenfalls einen Screenshot angefertigt habe, da die Korrektur zusammen mit dem Review mittlerweile natürlich auch gelöscht wurde. Um mal den relevanten Teil direkt zu zitieren:

Das Lob, das ich hier für uberspace.de ausgesprochen habe, hat den Praxistest noch nicht bestanden. Ich habe die Infos über diesen Webhoster per Mail erhalten, damit wir in ZUKUNFT diesen Anbieter nutzen bzw, unseren Mitgliedern empfehlen können. […] Richtig ist, dass die o.g. Projekte bei einem anderen Webhoster untergebracht wurden zu speziell ausgehandelten Sonderkonditionen […]“

Aha. Soso. Naja, klar: Einen Anbieter, mit dem man Sonderkonditionen aushandelt, und einen Anbieter, der bisher noch überhaupt gar kein Geld genommen hat – da kann man schon mal was verwechseln. Vor allem, wenn man so detailliert unser Konzept des frei wählbaren Preises in seiner praktischen Anwendung dokumentiert, während man tatsächlich überhaupt nicht bei uns hostet.

Der eigentliche Klopper kam dann aber in der Mail, und es erscheint mir ausnahmsweise angemessen, für einen einzigen Satz meine ansonsten eiserne Regel zu brechen, nicht ungefragt aus an mich persönlichen gerichteten Mails zu zitieren. Aber bitte, Giulia, verklag mich doch:

Und noch ein Mißverständnis muss ich ausräumen: Unser Projekt für Menschen, die es wirklich nicht einfach haben, hat gar keinen Webauftritt.

Do legst di nieder..! Es ist also nicht nur das Review zu Uberspace.de frei erfunden; auch die Korrektur von wegen „in Wirklichkeit hosten wir bei einem anderen Anbieter“ hat’s nicht so mit der Wahrheit. Und weil’s so schön ist, ist damit auch gleich die Information, dass WebOptimizer24 generös die Website des Arbeitslosenprojekts kostenlos gestaltet hat, mit weggewischt. Das hat sie natürlich nicht öffentlich geschrieben.

Entsprechend deutliche Worte habe ich in meiner Antwortmail an Giulia gefunden:

Das ist doch nicht dein Ernst, dass das ein „Missverständnis“ war. Zwischen „Unser Projekt hat gar keinen Webauftritt“ und „Das Projekt konnte bei Uberspace.de online gehen und der Telefonsupport war super und wir bezahlen jeden Monat Geld“ liegt kein „Missverständnis“, sondern das eine macht das andere zu einer fetten Lüge.

Zugegeben: Nicht sehr freundlich, aber Hand aufs Herz: Auf den Punkt. Ist doch wahr. Und weil es mir stinkt, wenn Leute glauben, mich für dumm verkaufen zu können, ergänzte ich noch kühl:

Wenn du nicht an deinen öffentlichen Äußerungen gemessen werden willst, äußere dich nicht öffentlich.

Besondere Aggressionen rief bei mir hervor, dass „Giulia“ sich darüber beklagte, ich hätte mit meiner öffentlichen Replik WebOptimizer24 in ein schlechtes Licht gerückt (Ach!), und das, obwohl die doch wirklich nichts für ihren Fehler könnten. Um hier nochmal aus ihrer eigenen (öffentlichen) Korrektur zu zitieren:

Für diesen Irrtum kann ich mich nur entschuldigen. Ich bin halt keine Internet-Fachfrau und habe mich wohl in den Begriffen Webspace, uberspace, Webhoster und Webprovider verheddert. Hinzu kam die Begeisterung, dass Unternehmen tatkräftig Langzeitarbeitlose unterstützen und aus dem Hartz IV Kreislauf heraushelfen.

Herrje, gleich muss ich weinen. Vor Begeistung Begriffe verwechselt. Klar, „Webspace, uberspace, Webhoster und Webprovider“, bei sovielen AdWords kann man schon mal den Überblick verlieren. Und was mich besonders aufregt: Dieser ständige Hinweis auf das ach so tolle Projekt. Völlig unbenommen, ob dieses Projekt für Langzeitarbeitslose nun existiert (wünschenswert wär’s ja) oder nur kreativ von einem SEO-Spammer, der gerne die Tränendrüse bedient, aus den Fingern gesaugt wurde: Selbst noch soviel Engagement „für die gute Sache“ rechtfertigt keine öffentliche Lüge, schon gar nicht, wenn diese völlig unnötig ist.

Inzwischen klingelte mein Telefon – Qype meldete sich. Das ist erstmal ein ganz normaler Vorgang: Da ich mich gestern zwecks „offizieller“ Reaktion zu dem Review als „Das ist mein Geschäft“-User bei Qype angemeldet habe, erfolgt kurz darauf eine telefonische Verifikation. Ist ja auch gut so.

Der Qype-Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung war ausgesprochen launig drauf. Er hatte erfreulicherweise das Review sowie meine Replik bereits gelesen und äußerte sich regelrecht amüsiert zu dem Vorgang – und fand, ich habe mit der offenen Reaktion auch die beste Möglichkeit einer Replik gewählt. Gerade für ein Unternehmen wie Qype, das ja auch schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommt, wenn sich dort SEO-Spammer-Kommentare zwischen die echten Reviews mogeln, ist es ja in besonderer Weise wichtig, das eigene System sauberzuhalten. Gut, er war zugegebenermaßen nicht ganz glücklich darüber, dass ich in meiner Replik zufällig mitlesende Ubernauten gebeten habe, wenn dann doch bitte in ihren eigenen Blogs über Uberspace.de zu berichten und dann auch öffentlich mit dem eigenen Namen dafür einzustehen. Aber konnte nicht verhehlen, dass er auch ein gewisses Verständnis für meine Äußerung hatte, gerade angesichts des Vorfalls.

Nun ist das Review also plötzlich wieder weg. Ich weiß nicht, ob Qype es entfernt hat, was auch durchaus nachvollziehbar wäre; nicht nur, weil es einerseits nachweislich erfunden war, sondern auch, weil es andererseits nach der „Korrektur“ nun auch wirklich keine Silbe mehr mit Uberspace.de zu tun hatte. Aber ich tippe darauf, dass „Giulia“ es selbst gelöscht hat. Es kam nämlich noch eine Antwortmail von ihr. Und weil ich mit sowas gerechnet habe, ließ ich meine Nachricht an sie mit den Worten enden:

Ich weise sicherheitshalber darauf hin, dass ich mir vorbehalte, Auszüge aus weiteren Antworten von dir, die du an mich direkt sendest, ebenfalls öffentlich zu machen. Wenn du damit nicht einverstanden bist, sende mir bitte keine weiteren Nachrichten.

Insofern kann ich jetzt nur kalt lächelnd mit einem „she deserved it“ schließen und wünsche viel Vernügen:

Werter Jonas,

schade, dass Ihr Projekt wohl noch sehr im Anfangsstadium ist, denn Sie haben offensichtlich zu viel Zeit, viel zu viel Zeit. Jede Zeile einer Mail bzw. Posting akribisch zu analysieren, zeugt entweder von extremer Langeweile oder schlimmeren Eigenschaften

Wenn ich mir Ihre Kommenatre ansehe, haben Sie entweder meine Zeilen nicht richtig gelesen, nicht richtig erfasst oder haben andere Absichten. Ich tippe auf letzteres.

Die Frage ist auch, ob Sie tatsächlich zu überspace gehören, denn Ihr Profilbild ist ja nichts weiter als ein pixeliges Irgendwas-Firmenlogo und sicher keine Originaldatei. Das könnte natürlich auch das Werk eines unterbeschäftigten Mitbewerbers sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmer sein eigenes Firmenlogo so verunstaltet.

Wie dem auch sei: Nachdem Sie mich als Lügnerin bezeichnen, ich meine Zeit lieber besser nutze, als für Ihre kindlichen Clownerien und auch keine Brieffreundschaft suche, ist dieser Zeilenwechsel von meiner Seite aus beendet.

Aufrichtig gute Besserung wünscht
Giulia

Der geneigte Leser möge sich nun sein Urteil selbst bilden.

Wer übrigens noch ein bisschen über WebOptimizer24 erfahren möchte, der kann sich ja diesen launigen Beitrag im Blog von seo-united.de (ja, auch hier nofollow, klar) zu Gemüte führen: H. E. ist neuer SEO Weltmeister! – aber bitte nicht den Kommentar Nr. 3 überlesen, auch wenn man es sonst in puncto Blog-Kommentaren vielleicht eher wie Stephen Fry hält. Es lohnt.

Dunning-Kruger lässt grüßen

Montag, 03. Mai 2010

[Der] Dunning-Kruger-Effekt (DKE) ist eine Form der kognitiven Verzerrung und beschreibt die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen.

Es kommt nur selten vor, dass mich Anfragen im technischen Support erreichen, die dazu führen, dass meine Gedanken den ganzen Tag über um nichts anderes kreisen und mich letztlich fast verrückt machen.

Vorweg: Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn man von Technik keine Ahnung hat. Wirklich nicht. Ich sehe auch nicht auf solche Menschen herab. Es gibt genug Bereiche, in denen ich selbst völlig unbewandert bin.

Die Kombination aus Unwissenheit und Ignoranz ist aber dann schon eine Stufe härter. Sowas regt mich dann vielleicht kurz innerlich auf, aber dann hat sich’s auch wieder.

Wenn jedoch Unwissenheit, Ignoranz und dazu noch Besserwisserei zusammenkommen, fällt es mir schwer noch an mich zu halten.

Der Auslöser für diesen Blog-Beitrag war ein einfacher Satz (kurz zuvor hatte ich dem Kunden mitgeteilt, dass ich ihm nicht dabei helfen kann, wie er seinen lokalen Proxy-Server am vernünftigsten konfigurieren solle):

Da Sie mir keine Sicherheitsberatung bieten können, möchte ich Ihnen mal zeigen wie „Sicher“ ihre Server sind.

Gepaart mit einem Link zur Diagnoseseite von Googles Safe Browsing (die sagte, dass mit der Seite alles Bestens sei) und einem Link zu RadaBG.com, der aussagt, dass 0,06% der Seiten im Netz unseres Upstream-Providers (bei dem wir ja nur einer von vielen Kunden sind) vermutlich „malicious“ seien. In absoluten Zahlen: 3 Websites. Festgestellt 2005. Aha. Was das über die Sicherheit unserer Server aussagen soll, erschließt sich mir nicht.

Aber ein wenig zur Vorgeschichte. Im Zuge einer Supportanfrage des betreffenden Kunden fiel mir auf, dass ich beim Aufruf seiner Website ein 410 Gone bekomme, zusammen mit einer detaillierten Hinweissseite, dass ich gesperrt worden sei (beim ersten Aufruf seiner Seite!), weil ich gegen eine der Benutzungsregeln seiner Website verstoßen hätte. Diese Bedingungen („auf Grund meiner schlechten Erfahrungen notwendig“) umfassen diese strikt zu befolgende Anweisungen:

– es darf kein Proxy von mir erkannt werden
– ein wildes herumklicken ohne die Seite durch zu lesen ist nicht gestattet
– es muß von Ihrem Browser ein Referrer gesendet werden
– der Hostname zu Ihrer ip-Adresse muß aufgelöst werden können
– die *.css-Datei muß mit geladen werden
– die Ansicht meiner robots.txt ist nicht gestattet
– automatische Anfragen an meinen Server werden geblockt
– Anfragen in der URL mit http/https werden geblockt
– das scannen nach Schwachstellen mit einer Software sollte auch verhindert werden
– Anfragen außer POST, GET werden von mir abgewiesen
– Besuche ohne Browserkennung sind nicht möglich
– ohne aktivierte Cookies ist die Ansicht von Informationen nicht möglich

Ich blieb beim ersten Lesen nur kurz an „es muß von Ihrem Browser ein Referrer gesendet werden“ hängen. Mein Gefühl sagte mir: Naja, so kann das ja wohl schlecht gemeint sein, dann kann man ja seine Website nur über Links aufrufen – nicht aus einer Mail heraus, nicht von Hand eingegeben, und vor allem auch nicht aus einem Lesezeichen im Browser heraus.

Doch genauso ist es.

Minuten später trifft eine Mail bei mir ein, die mir allen Ernstes eine Anleitung gibt, wie ich seine Seite aufzurufen habe:

ich sehe gerade Sie besuchen meine Seite, und vielleicht auch noch einer Ihrer Kollegen. Damit Sie nicht noch weitere ip-Adressen verschießen besuchen Sie folgenden Link:

http://www.google.de/search?hl=de&q=das+hab+ich+mal+lieber+entfernt

Dort bin ich der 4. Link von oben. Da vielleicht Ihre Kollegen meine Seite direckt aufrufen wird natürlich am Anfang kein Reffer übertragen.

Ab 00:00Uhr setzt sich meine Openbsd Firewall in gang (PF) dort werden alle IP-Adressen die mein Webserver gesammelt hat gesperrt.

Ich war für einen Moment sprachlos. Ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis ist ja schön und gut. Bei diesem Mann scheint mir die Grenze zur Paranoia aber schon vor langer Zeit überschritten worden zu sein.

Inhaltlich beschäftigt sich seine Website mit Suchmaschinen-Optimierung (d’oh!). Und was ich da alles gelesen habe, das zog mir wirklich die Schuhe aus angesichts des riesigen Haufen Unsinns, aus richtigen Beobachtungen falsch gezogener Schlüsse, technisch grundfalscher Informationen und nicht zuletzt einer Rechtschreibung, die mir die Tränen in die Augen trieb. Ein andere Kunde von uns, der sich wirklich mit Suchmaschinen-Optimierung auskennt (normalerweise würde ich hier verlinken, aber ich möchte vermeiden, dass sein bissiges Zitat auf ihn zurückfällt), berichtete mir im Chat nach kurzer Lektüre der fraglichen Website von einem Vortrag, den er kürzlich besuchte:

ja, der SEO Papst Mario Fischer sagt dazu: 90% aller SEOs sind Dumpfbacken.

Kein Zweifel, dass ich hier nicht gerade mit jemandem zu tun habe, der sich zu den 10% zählen darf. Oder etwa doch? Immer wenn man ganz besonders laut „au Backe“ rufen möchte, tut es ganz gut, sich zu versichern, ob andere die eigene Einschätzung teilen – schon, um nicht selbst ein Opfer des DKE zu werden. Aber das Urteil der anderen fiel beruhigenderweise ebenso vernichtend aus. Eine kleine Auswahl:

Was für ein Irrer. Und das ist ein Kunde von dir?

Prost an den Herrn, er kann nur im Dauerkoma leben – anders ist das nicht erklärbar.

meinst du, er hat keine ahnung, was er da tut oder glaubst du, er weiß es sehr wohl?

ferndiagnostisch ne schizotype persönlichkeitsstörung :p

wow. der ist unfassbar dumm.

ich würde ihm wirklich das „sind sie blöd formular“ schicken

welcher total hirn ampotierte speert leute die auf seine seite gehen – da müsste ich doch eins an der latte haben

meine Güte, es gibt schon Spezialisten, oder?

Meine ganz persönliche Einschätzung ist: Der hatte noch nie mit jemandem mit technischem Sachverstand zu tun, der ihn mal an die Seite genommen hat und ihm sagte: Pass auf, mein Junge, das ist Mist, was du da schreibst. Ich erklär dir das mal. Und nun sieht er den Umstand, dass jeder mit einfachsten technischen Grundkenntnissen vor ihm sofort die Flucht ergreift, als Bestätigung dafür an, dass nur er der einzig wahre Experte ist.

Was also tun? Ihn in dem Glauben lassen, er sei der Größte auf Erden? Klar, irgendjemand muss ihm mal die Augen öffnen, aber muss unbedingt ich das sein? Höchstwahrscheinlich würde er ohnehin nur beleidigt sein, und noch viel schlimmer: Er würde sich darin bestätigt fühlen, dass auch wir wieder nur einer der vielen inkompetenten Provider sind wie die, mit denen er seiner Aussage nach bisher zu tun hatte. Umgekehrt wäre es natürlich auch fies, jemandem deutlich zu schreiben, dass er keine Ahnung hat, wenn man dann nicht auch bereit wäre, ihn darüber aufzuklären, wie die Dinge in Wirklichkeit funktionieren – aber Hand aufs Herz, soviel Zeit habe ich nicht. Soviel Zeit hat keiner von uns.

Wenn eine Antwort also aller Voraussicht nach sowieso nichts bringt als noch viel längere, fast körperlich qualvolle Diskussionen, dann richtet sie doch vielleicht eher noch Schaden und Verletzung an. Deshalb meine Antwort dazu nicht an ihn persönlich, sondern anonymisiert an dieser Stelle, aus der beliebten Kategorie „Mails, die meinen Postausgang letztendlich doch nicht verlassen haben“:

Hallo Herr $NAME,

ähnlich wie Sie offensichtlich die Sicherheit unserer Server in Zweifel ziehen, ziehen nicht nur ich, sondern auch meine Kollegen die sinnvolle Konfiguration Ihres Servers und auch die Stichhaltigkeit der von Ihnen genannten Punkte in Zweifel.

Ich würde mir normalerweise kein Urteil oder Kritik anmaßen und mit meiner persönlichen Meinung hinter dem Berg halten. Wenn Sie uns aber Nachhilfe darin erteilen möchten, wie „sicher“ unsere Server sind und dazu ausgerechnet eine Website heranziehen, die lediglich eine Aussage über die Anzahl möglicherweise unsicherer Website im Netz unseres Upstream-Providers trifft, dann möchte ich hiermit dann doch gerne ganz schnell einen Schlussstrich unter die Diskussion ziehen:

Selbst wenn ich einmal annehme, dass Sie im SEO-Bereich ein Experte wären (worüber ich mir kein Urteil anmaße, weil ich mich damit nicht auskenne), so zeigt doch nahezu jede Unterseite Ihrer Website grundlegende Verständnisprobleme und gravierende Fehleinschätzungen einfachster technischer Zusammenhänge auf. Dass Sie mit Ihren „Tatsachen“-Schilderungen von Kunden ausgelacht wurden, kann ich von daher – so leid es mir tut, das zu sagen – nur sehr gut nachvollziehen. Meine ganz persönliche Befürchtung ist, dass Sie keine Vorstellung davon haben, wie sehr Sie sich in ihrem eigenen „Wissen“ über angebliche Zusammenhänge verstrickt haben, und wie weit das von der Realität entfernt ist.

Insbesondere da Sie ja ohnehin keine Hosting-Leistungen von uns beziehen, dürfte eine Auseinandersetzung über Sicherheitsthemen so oder so entsprechend fruchtlos verlaufen. Ich bitte daher um Verständnis darum, dass wir diese nicht mit Ihnen zu führen bereit sind.

Freundliche Grüße,
Jonas Pasche

Wenn Sie das hier lesen sollten und sich angesprochen fühlen – dann sind möglicherweise auch Sie gemeint.

So, jetzt geht’s mir besser.

PS: Einen Kreativitätspunkt für „ein wildes herumklicken ohne die Seite durch zu lesen ist nicht gestattet“ gibt es natürlich schon noch. Auf die Idee muss man erstmal kommen..!


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