VeriSigns Preisschraube

Seit vielen Jahren betreibt VeriSign unter anderem die .com- und auch die .net-Registry. Der heutige Newsletter unseres Domainregistrars, der schon wieder eine Preiserhöhung für .com- und .net-Domains ankündigte, veranlasste mich, einmal die Preiserhöhungen der letzten Jahre nachzuvollziehen. „Datum PM“ ist dabei mit dem Datum der jeweiligen Pressemitteilung verlinkt, die als Quelle herangezogen wurde; „Datum PE“ ist das Datum, ab dem die jeweilige Preiserhöhung gilt.

Datum PM Datum PE Preis .com Preis .net
Preis Stand 2006 $6.00 $3.50
05.04.2007 15.10.2007 $6.42 +7,0% $3.85 +10,0%
27.03.2008 01.10.2008 $6.86 +6,9% $4.23 +9,9%
17.12.2009 01.07.2010 $7.34 +7,0% $4.65 +9,9%
14.07.2011 15.01.2012 $7.85 +6,9% $5.11 +10,9%

Der Preis für .com-Domains ist also innerhalb von gerade mal fünf Jahren um stolze 30,8% gestiegen, was immer noch ein Witz ist gegen den Preis von .net-Domains, der im gleichen Zeitraum sogar um 46,0% gestiegen ist.

Zu diesen Preisen, die VeriSign erhebt, kommt noch ein TLD-unabhängiger Zuschlag, der von ICANN erhoben wird. Während VeriSign aber immer teurer wird, sank der ursprüngliche ICANN-Zuschlag von ursprünglich $0.25 im Juli 2007 auf $0.20 und liegt derzeit nur noch bei $0.18 pro Domain und Jahr.

Nun hat Christoph Grueneberg vom Domainvermarktermagazin DVmag.de sich bereits ein wenig in den VeriSign-Verträgen mit ICANN umgesehen und ist im Vertrag für den .com-Betrieb in Abschnitt 7.3 auf sehr konkrete Bestimmungen gestoßen, was den Maximalpreis angeht, den VeriSign von seinen Resellern verlangen darf:

(d) Maximum Price. The Maximum Price for Registry Services subject to this Paragraph 7.3 shall be as follows:

(i) from the Effective Date through 31 December 2006, US$6.00;

(ii) for each calendar year beginning with 1 January 2007, the smaller of the preceding year’s Maximum Price or the highest price charged during the preceding year, multiplied by 1.07; provided, however, that such increases shall only be permitted in four years of any six year term of the Agreement. In any year, however, where a price increase does not occur, Registry Operator shall be entitled to increase the Maximum Price by an amount sufficient to cover any additional incremental costs incurred during the term of the Agreement due to the imposition of any new Consensus Policy or documented extraordinary expense resulting from an attack or threat of attack on the Security or Stability of the DNS, not to exceed the smaller of the preceding year’s Maximum Price or the highest price charged during the preceding year, multiplied by 1.07.

Für den Zeitraum vom 01.03.2006 (Abschluss der Vereinbarung bis zum 31.12.2006 liegt der Preis also bei maximal $6.00; beginnend mit dem 01.01.2007 darf VeriSign den Preis für .com-Domains um maximal 7% pro Jahr anheben. Christoph Grueneberg liegt allerdings aus meiner Sicht falsch, wenn er angibt:

Eine solche Gebührenerhöhung ist in der Regel nur alle vier Jahre innerhalb einer sechsjährig laufenden Vereinbarung gültig.

Abgesehen davon, dass „alle vier Jahre innerhalb einer sechsjährig laufenden Vereinbarung“ ja schon rein logisch nur exakt ein einziges Mal vorkommen kann, übersetze ich „such increases shall only be permitted in four years of any six year term of the Agreement“ ganz klar so, dass es in maximal vier von sechs Jahren der Vertragslaufzeit entsprechende Preiserhöhungen geben darf. Insofern hat VeriSign hier keine außerordentliche Belastungen geltend gemacht (wie das Posting auf DVmag.de vermuten ließ), denn in der Zeit vom 01.01.2007 bis heute, also in knapp fünf Jahren, hat VeriSign seine Preise „nur“ die zulässigen vier Mal erhöht, das aber jeweils auch in der maximal möglichen Höhe.

Für den Betrieb von .net wurde währenddessen bereits im April 2001 ein Maximalpreis von $6.00 festgelegt – und zwar ganz ohne eine Erhöhungsklausel. Insofern wundert es nicht, dass VeriSign hier gleich größere Schritte macht – bis zum Maximum von $6.00 ist ja noch ein bisschen Luft.

Zurecht fragt das DVmag, ob bei der steigenden Zahl von Domainregistrierungen nicht eigentlich der Preis eigentlich sinken müsste, zumal bei einem virtuellen Gut wie Domains, die in erster Linie indirekte Kosten in Form von Verwaltungsaufwand und Infrastrukturbetrieb bedeuten. Schauen wir uns also doch mal an, was VeriSign so mitteilt. Hierbei fällt auf, dass bei jeder Preiserhöhung die „queries per day“ verlautbart werden, die natürlich jedes Mal angestiegen sind. Extrahiert aus den Pressemeldungen:

  • 15.04.2007: „nearly 30 billion queries per day today“
  • 27.03.2008: „more than 33 billion DNS queries per day“ (+10%)
  • 17.12.2009: „more than 50 billion queries per day“ (+52%)
  • 14.07.2011: „an average daily query load of 57 billion“ (+14%)

Ich habe mir daher mal angeschaut, wieviele Domains zu den jeweiligen Zeiten so registriert waren, und habe dazu entsprechend stolze Pressemeldungen ausgewählt, die möglichst dicht an den Preiserhöhungs-Pressemeldungen lagen. Da gibt’s zu lesen:

  • 05.03.2007: „The base of .com and .net domain names grew to 65 million domain names by the close of 2006“
  • 05.03.2009: „The .com and .net adjusted base surpassed 80.4 million domain name registrations at the end of 2007.“ (+24%)
  • 21.09.2009: „The overall base of .com and .net domain names grew to 93.5 million domain names during the second quarter of 2009“ (+16%)
  • 31.08.2011: „The .com and .net Top Level Domains (TLDs) experienced aggregate growth, surpassing a combined total of 110 million names in the second quarter of 2011“ (+18%)

Während also von ca. Frühjahr 2007 bis ca. Herbst 2011 die Zahl der täglichen DNS-Anfragen um rund 90% gestiegen sind, ist die Zahl der Domains ebenfalls um immerhin 69% gestiegen – und damit entsprechend auch die mit Domains erwirtschafteten Umsätze.

Wofür sonst braucht VeriSign also kontinuierlich höhere Gebühren?

2007: „To address the increase in both DNS volume and cyber attacks, VeriSign recently announced a major initiative entitled Project Titan to expand the capacity of its global Internet infrastructure by ten times by the year 2010“ – VeriSign will seine Kapazitäten so erweitern, dass sie „over 4 trillion queries a day“ packen.

2008: „The .com and .net infrastructures are continually being fortified and scaled to defend against increasingly sophisticated cyber attacks and to help protect against service disruptions. VeriSign is increasing the capacity of its global Internet infrastructure by ten times by the year 2010.“

2009: „VeriSign will continue investment to build out the .com and .net infrastructures to manage the increasing demands on the infrastructure brought on by the proliferation of Internet-enabled phones and devices and the emergence of DNS-centric technologies and services. VeriSign also continues to scale and fortify the .com and .net infrastructures globally to defend against increasingly sophisticated cyber attacks.“

2011: „Continued strong global Internet usage growth, along with increasingly powerful distributed denial of service (DDoS) attacks leveled against all parts of the Internet’s critical infrastructure, have dramatically increased the demands on Internet infrastructure providers such as Verisign.“

Mit anderen Worten: The same procedure as every year. Immer mehr Leute benutzen das Internet (ach was!), und es gibt „cyber attacks“, und gerade als ich schon dachte, dass alles mit „cyber“ im Namen irgendwie so nach den 90ern klingt, sind’s 2011 prompt „DDoS attacks“ geworden.

Bleibt eben noch die Frage offen, wieso beispielsweise .de-Domains nicht nur schon immer wesentlich günstiger sind als .com- und .net-Domains, sondern auch seit Jahren nicht eine einzige Preiserhöhung erfahren haben – obwohl auch die DENIC kräftig in den Ausbau von Infrastruktur, IPv6-Deployment, Umsetzung von DNSSEC etc. investiert hat. Irgendwas scheint dort also besser zu laufen als bei VeriSign. Vielleicht braucht aber VeriSign das viele Geld auch nicht für Investitionen, sondern für, äh …

Datum Pressemitteilung
06.11.2008 VeriSign Reports 18% Year-Over-Year Revenue Growth in Third Quarter 2008
07.05.2009 VeriSign Reports 13% Year-Over-Year Revenue Growth in First Quarter 2009
06.08.2009 VeriSign Reports 9% Year-Over-Year Revenue Growth in Second Quarter 2009
05.11.2009 VeriSign Reports 6% Year-Over-Year Core Revenue Growth in Third Quarter 2009
02.08.2010 VeriSign Reports 9% Year-Over-Year Revenue Growth in Second Quarter 2010
02.10.2010 VeriSign Reports 10% Year-Over-Year Revenue Growth in Third Quarter 2010
27.01.2011 Verisign Reports 10% Year-Over-Year Revenue Growth in 2010
24.04.2011 Verisign Reports 12% Year-Over-Year Revenue Growth in First Quarter 2011
28.07.2011 Verisign Reports 13% Year-Over-Year Revenue Growth in Second Quarter 2011
27.10.2011 Verisign Reports 14% Year-Over-Year Revenue Growth in Third Quarter 2011

Aber das ist natürlich nur eine schamlose Vermutung. Wenn dann aber Mitte Januar möglicherweise auch bei uns die .com- und .net-Domains teurer werden, dann sollte nun zumindest bekannt sein, warum das so ist.

Eine Antwort auf „VeriSigns Preisschraube“

  1. Tja, man orientiert sich wahrscheinlich an den Gewinnen, die Apple z.B. pro iPhone einfährt: bei deren Aufschlag von etwa 50 Prozent auf die Herstellungskosten kann schon was zusammenkommen.
    Als Marktführer kann man an der Preisschraube drehen.

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